Archiv für Ritterorden

Salve Regina (Templer-Choral)

Posted in Allgemeines, Arme Ritter Christi, Historie, Kirchenjahr und Bräuche, Kontempltives with tags , , , , , on November 2, 2011 by armeritterschaftaachen

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Auch wenn man sich im 21. Jahrhundert lieber mit Mythen und Legenden der „alten Rittersleut“ beschäftigt, auch wenn fiktive Geschichten à la Dan Brown und Konsorten Hochkunjunktur haben, so weiß kaum jemand, dass so gut wie ALLE Ordensritter glühende Verehrer der heiligsten Gottesmutter Maria waren:

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Großpriorat Schweiz-Liechtenstein errichtet

Posted in Allgemeines, Arme Ritter Christi, Ordensaktivitäten, Pressemitteilung, Templerorden with tags , , , , , , , , , , , , , , , , on August 6, 2011 by Bruder Berthold

Liebe Schwestern und Brüder in Christo,

 

Wir verkünden und geben mit großer Freude bekannt, dass Wir Kraft Unseres Amtes am heutigen fünften Tage des Monats August im Jahre des Herrn Zweitausendundelf das Großpriorat Schweiz-Liechtenstein errichtet haben, und dass Wir Bruder Frank Weibel mit sofortiger Wirkung die kommissarische Leitung dieses neuen Großpriorates anvertraut haben. Mit dem Augenblick der feierlichen Investitur wird Bruder Frank Weibel den Titel und alle Ehren und Rechte eines Großpriors erhalten.

 

Bis dahin ist es Unser Wunsch, dass alle Brüder und Schwestern des Ordens der Armen Ritter Christi für das neue Großpriorat und die neuen Ordensangehörigen beten und ihnen volle Unterstützung in ihrem Dienst in der Nachfolge Christi zukommen lassen – zur größten Ehre Gottes.

 

Wir anempfehlen das Großpriorat dem Heiligen „Franz von Assisi“, es sei denn, die Brüder und Schwestern des neuen Großpriorates wünschen einen anderen Patron.

 

 

Gegeben zu Marsberg,
am Fest der Einweihung der Patriarchalbasilika Santa Maria Maggiore zu Rom,
am 05.August im Jahre des Herrn 2011


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++ Fr. Berthold OPMC

Großmeister

Schreiben des Großmeisters zum 1. Jahrestag der PCCTSH

Posted in Allgemeines, Arme Ritter Christi, Historie, Kontempltives, Pressemitteilung, Templerorden with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on Oktober 13, 2010 by Bruder Berthold

 

Schreiben des Großmeisters der PCCTSH

Bruder Berthold Möller

zum ersten Jahrestag ihrer Gründung

(13. Oktober 2009)

 

Meine lieben Freunde und Interessenten,

liebe Schwestern und Brüder,

 

eigentlich erhaltet Ihr – außer den Tagesgebeten – nur zu ganz bestimmten Anlässen oder zu Feiertagen ein Schreiben von mir. Der Anlass dieses Schreibens ist ein äußerst erfreulicher: Die Arme Ritterschaft Christi /Pauperes commilitones Christi feiert heute – am 13. Oktober – ihren ersten Jahrestag – und dazu möchte ich Euch und uns allen von Herzen beglückwünschen.

Schon etliche Monate vor dem Oktober 2009 begannen die Aktivitäten unseres Ordens, und wie bei den meisten von Euch war das Mittelalter und die Ritterschaft im Allgemeinen der größte Stein, der den Orden zum Rollen brachte.

Was aber IST es, das solch eine Faszination auf die Menschen ausübt? Was IST es, das das Interesse der Menschen so unvergleichlich anzieht? Die Menschen des Mittelalters waren zu denen im heutigen 21. Jahrhundert alles andere als beneidenswert. Sie konnten nicht lesen, nicht schreiben, kannten nicht die hygienischen und medizinischen Vorteile, hatten keinen ausgewogenen Speiseplan, … Und doch waren sie uns um einiges voraus: Sie hatten Werte. Und sie hatten einen Glauben.

Sie hatten ein felsenfestes Gottvertrauen, der ihren kompletten Alltag bestimmte. Sie wussten sehr wohl zu unterscheiden, was des Kaisers und was Gottes ist. Ihr kompletter Jahresablauf, ihr Arbeiten, ihre familiären Begebenheiten, drehte sich ausschließlich um den Kirchen- und Heiligenkalender.

Und heute?

Wir haben uns all‘ des vermeintlichen Ballastes entledigt, wir sind „aufgeklärt“, wir sind „mündige Bürger“ – und auch noch stolz drauf. Hoch erhobenen Hauptes wandeln wir umher wissend, dass alle paar Minuten unerwünschte Kinder im Mutterleib getötet werden – Hauptsache wir konnten unserer sexuellen Lust nach gehen.

Hoch erhobenen Hauptes sehen wir hungernde Kinder am Straßenrand sitzen, deren Eltern ihren Beruf verloren haben, weil sie dem wirtschaftlichen Streben nach Gewinnzuwachs zum Opfer gefallen sind – Hauptsache, wir dürfen uns zu den reichsten Nationen der Welt zählen.

Hoch erhobenen Hauptes ignorieren wir sie Alten und Gebrechlichen unserer Gesellschaft, die aufs Abstellgleis gestellt wurden, weil sie uns in unserer Ellbogengesellschaft nur im Wege sind. Hauptsache, wir haben noch viele Jahre Zeit, bis dass uns UNSERE Kinder ausstoßen … und vergessen.

Nein! Wir sind nicht Ritter des altehrwürdigen Tempelritterordens geworden, um hoch erhobenen Hauptes daher zu schreiten. Wir sind Ritter, auf dass die ALTEN ihr Haupt erheben können, weil man ihnen wieder ihre Würde zurück gegeben hat. Und auch wer hungert, sieht keinen Anlass, sein Haupt zu erheben. Und alle Kinder sollen stolz ihr Haupt erheben dürfen, weil sie von ihrem Vater, ihrer Mutter, ihren Geschwistern und allen Verwandten geliebt werden – als Geschenk des himmlischen Vaters.

Wir sind aber auch Ritter eines Ordens, um – der Jahrtausende alten Tradition folgend – DEM die Ihm gebührende Ehre zu erweisen, Der Himmel und Erde erschaffen, Der uns den Geist gesandt, und Der durch die Jungfrau Maria geboren wurde, um uns (in Menschengestalt) zu wahrhaft freien, mündigen Bürgern zu machen, indem Er sich am Holz des Kreuzes dem Vater hingegeben hat: Gott, der Dreifaltig Eine. Was nützt uns all unser Handeln, was nützt uns all unser Tun für den Nächsten, wenn wir uns nicht dessen bewusst sind, Der uns Ge-rufen, der uns BE-rufen, der uns beauftragt hat, das Kreuz auf uns zu nehmen und – ohne Bedingungen – IHM zu folgen … ohne Fragen zu stellen, ohne Hintergedanken zu haben, ohne auch nur das Geringste als Gegenleistung zu Fordern. Denn wir sind uns bewusst, dass wir SEINE Kinder sind, also haben wir alles, was wir brauchen, nämlich die Liebe Gottes, die unbeschreiblich, die unendlich und die bedingungslos ist.

Dessen eingedenk, dürfen wir unser Haupt erheben, wissen wir um des Beistandes des himmlischen Hofes in unserem täglichen Kampf gegen Unmenschlichkeit, gegen Ungerechtigkeit und gegen Hass, Zwietracht und Neid. Wir dürfen unser Haupt erheben, dessen eingedenk, der am heutigen 13. Oktober vor 703 Jahren mit all seinen Brüdern verfolgt , verhaftet und später dem größten Justizverbrechen der Geschichte zum Opfer fiel: Jacques de Molay.

Halten wir am heutigen Festtag unseres Ordens einen Moment inne, um ihm und all unseren verehrten Brüdern, die uns in Mut, Tapferkeit und Standfestigkeit vorausgegangen sind, beten wir für SIE, beten wir für uns … und beten wir für all jene, die sich von Gott entfernt haben und die damit dazu beitragen, dass unsere Gesellschaft eine weitaus bedauernswertere ist als die Gesellschaft, mit der wir uns in Mittelalter-Büchern und in der Geschichte der (Kreuz-)Ritter mit Leidenschaft beschäftigen. Halten wir aber auch einen Moment inne, um uns selbst zu erforschen, die wir Ritter der Armen Ritterschaft SIND, und die sich anschicken, ehrenwerte Ritter und ehrenwerte Damen der Armen Ritterschaft Christi zu werden. Sind wir der Nachfolge Jacques de Molays und all seiner Ritter würdig? Wissen wir um die Bedeutung und die Auswirkung des blutroten Kreuzes, welches wir auf unserem weißen Mantel tragen. Wissen wir um der Verantwortung, die wir mit dem Ritterschlag, mit der Investitur auf uns nehmen?

Kniend empfangen wir den Ritterschlag – nicht erhobenen Hauptes.

In tiefer Demut begegnen wir unserer Schwester und unserem Bruder – nicht hoch erhobenen Hauptes.

In Demut und Bescheidenheit begegnen wir den Alten, den Kindern, den Hungernden, den Obdachlosen, den Trauernden, den Arbeitssuchenden, … – nicht hoch erhobenen Hauptes.

Wir erheben unser Haupt nur, wenn es darum geht, die Ehre DESSEN mit allen möglichen Mitteln zu verteidigen, auf dessen Namen wir getauft sind: Jesus Christus.

ER, meine lieben Freunde, liebe Schwestern, liebe Brüder, segne Euch ganz besonders am heutigen ersten Jahrestag unseres Ordens ER begleite und beschütze uns und unseren Orden, ER sei es, dem alle Ehre zukommen möge, so wie es am Anfang aller Zeiten war, so wie es auch am Ende aller Zeiten sein wird.

In Demut grüßt Euch in aller Brüderlichkeit

NNDNN

+++ Berthold

Einmischung

Posted in Arme Ritter Christi with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on Juni 6, 2010 by armeritterschaftaachen

Monarchie … ?

Ich stimme vollkommen den Worten unseres hochverehrten Großmeisters Berthold Möller überein (siehe vorherigen Blogeintrag), dass sich unser Orden auf keinen Fall in politische Diskussionen einmischen soll, immerhin sind wir ein Ritterorden und keine politische Institution.

Es bleibt jedoch nicht aus, dass wir uns des einen oder anderen Kommentares nicht verkneifen dürfen, wenn wir Ungereimtheiten, Ungerechtugkeiten und politische Fehlentscheidungen anzuprangern haben, weil sie dem sozialen Gleichgewicht unseres Staates entgegen wirken.

Wieso kommt nun ein Ritterorden dazu, sich in die Diskussion über das Staatsoberhaupt unseres Landes seine Meinung zu äußern?

Wie Seine Exzellenz, der Großmeister, ganz kurz in seinem Schreiben angedeutet that, ist der Orden an sich schon relativ monarchistisch strukturiert. Der Großmeister ist der „Monarch“, der Großkanzler ist der Regierungschef, und die Großpriore sind die „Landesfürsten“ … zumindest metaphorisch (mehr oder weniger).

Die Mitglieder sind gegenüber den Vorgesetzten zu Gehorsam verpflichtet, und das Wort Treue und Loyalität wird sehr groß geschrieben.

Ein Ritterorden ist im Prinzip ein Staat en miniature, und betrachtet man Malta oder das ehemalige Preußen, so sind Ritterorden und Staatsgründungen nicht so weit voneinander entfernt. Doch leben wir – so möge der geneigte Leser zu argumentieren versuchen – im 21. Jahrhundert, und da sind Monarchien vollkommen anachronistisch. Man möge mir verzeihen, aber dieses Argument ist eine bodenlose Frechheit gepaart mit dummdreister Ignoranz! Ich erspare mir, all die Monarchien in Europa aufzuzählen, deren Bürger uns Deutschen in Stolz, in Loyalität und Liebe gegenüber ihrem Herrscherhaus um einiges Voraus sind.

Die Geschichte der Bundesrepublik fängt vor 61 Jahren an, die der Monarchien vor Jahrhunderten. Die Frage, ob wir auf die Geschichte der Bundesrepublik tatsächlich so stolz sein können, wie uns besonders im vergangenen Jahr zum 60.ten eingetrichtert wurde, lasse ich mal im Raum stehen. Es SOLL ja bei unserem Land um eines der freiheitlichsten Staaten der Welt sein, ein Teil der „freien Welt“. Nun ja, da MÜSSEN wir ja stolz sein – ich persönlich kann mein Glück kaum fassen. Nun gut, wir sehen uns von einem Billionen-Schuldenberg konfrontiert, nun ja, mit Arbeitslosigkeit muss sich jedes Land herumschlagen, über Hunger und Obdachlosigkeit MUSS man ja nicht unbedingt jeden Tag reden.

Auch dass Jugendkriminalität ein ernstzunehmendes Problem in unserem Lande ist, kann man ja geschickt vertuschen. In Zeiten von Relativismus und Indifferentismus fällt kaum einem auf, dass das Christentum, unser Christlicher Glaube im Namen von „Tolerenz“ und „Dialog“ gnadenlos verraten und verkauft wird … aber was soll’s, wir können furchtbar stolz auf unseren Staat und auf unsere Staatsform sein.

Doch dann offenbart sich durch den überraschenden Rücktritt des Bundespräsidenten und die sich anschließende Diskussion um die Nachfolge ein kleiner Schwachpunkt in unserem System: Es hat sich gezeigt, dass das Oberhaupt des Staates vollkommen abhängig ist von Parteien und von Mehrheitskonstellationen des Bundestages. Das ist in meinen Augen kein „Staatsoberhaupt“. Wie kann ich zu einem Staatsoberhaupt aufschauen, wie kann ich mich repräsentiert fühlen, wie kann ich mich mit ihm identifizieren, wenn er von einer Partei  stammt, von einer Partei aufgestellt und gewählt wurde? Mag diese Person noch so motiviert sein, in schönen, hochgeistigen Reden Überparteilichkeit zu demonstrieren und es allen Recht machen zu wollen, es bleibt immer der Schatten der Partei-Abhängigkeit.

Als Ritterorden stehen wir naturgemäß eher zur Monarchie, denn während der Bundespräsident aus dem Reich der Anonymität plötzlich auf der Bildfläche erscheint und nach seiner Amtszeit wirder in der Versenkung verschwindet und vielleicht nur noch ein Thema fürs Geschichtsbuch bleibt, begleiten wir den Monarchen meist von der Geburt bis zur Bahre. Und so wie der verehrte Großmeister der Tradition und der Geschichte des Ordens verpflichtet ist, so ist es der Monarch gleichermaßen. So wie in einem Ritterorden das Andenken der Vorfahren hochgehalten wird, so auch in der Monarchie.

Ich möchte nun nicht anregen, in monarchistischen Vereinigungen einzutreten und in solchen aktiv für die Monarchie Flagge zu zeigen, aber ich erlaube mir, verehrte Brüder und Schwestern, Euch Gedanken mit auf den Weg zu geben: Gedanken über die desolate Struktur unseres Staates, in dem die Freiheit immer auf Kosten von anderen geht, und Gedanken über Jahrhunderte alten Werte, in denen Ehre, Treue, Disziplin, Verantwortungsbewusstsein und vor allem Gehorsamkeit einen unverzichtbaren Stellenwert in einer Gemeinschaft (Staat oder Orden) haben (sollten).

NNDNN

+ F Heinrich Hoffmann

Großprior Deutschland

Mönchsritter

Posted in Allgemeines, Arme Ritter Christi, Historie, Templerorden with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , on März 12, 2010 by armeritterschaftaachen

Es gibt einen Begriff, mit dem wir uns einmal näher befassen müssen, während wir uns in dieser vorösterlichen Zeit auf das Leiden, Sterben, auf die glorreiche Auferstehung des Jesus von Nazareth konzentrieren:

Der Ritter-Orden.

Eigentlich – so werden viele denken – ist das doch ein vollkommener Gegensatz, ein edler Ritter und ein ärmlicher, der Welt entrückter Ordensmann. Aber zum näheren Verständnis müssen wir uns gedanklich in der Zeit um ca. 900 Jahre zurück versetzen. Der Islam hatte Besitz vom Heiligen Land ergriffen, und die heiligen Stätten, die vom Leben, Wirken, Sterben und Auferstehung Christi zeugten, standen in Gefahr, der christlichen Welt für immer verloren zu gehen. Mit einem „Gott will es (Deus vult)“ überzeugte der in Rom residierende Papst die Christen, und hier vor allem die Ritter, sich zum Heiligen Land zu begeben, um im Kampf und unter dem Einsatz ihres Lebens sowohl die Heiligen Stätten, die Pilger und das Heilige Land als solches der Christenheit zu erhalten.

Diese Geschichte kennen wir ja im Großen und Ganzen, was uns Menschen im 21. Jahrhundert jedoch nicht SO Präsent ist, ist, dass man absolut keine Vorstellung davon haben kann, wie die Welt vor 900 Jahren ungefähr war. Einige Erdteile waren noch gar nicht entdeckt,  Lesen und Schreiben war nur Wenigen, meistens nur Mönchen, bekannt, viele Annehmlichkeiten, die uns heute selbstverständlich sind, waren noch gar nicht bekannt, die ganze (bekannte) Welt war so gut wie vollkommen ländlich strukturiert, denn „Städte“ gab es nur wenige, der Jahres- und Tagesablauf richtete sich einzig nach dem kirchlichen Kalender, so dass sich das Denken und Handeln des Menschen vollkommen auf das „Jenseits“ konzentrierte, so dass der Mensch des beginnenden 2. Jahrtausends sehr stark nach dem Glauben richtete, um sich einen möglichst priviligiereten Platz im himmlichen Jerusalem zu sichern. Man nennt das Mittelalter häufig auch „das dunkle Zeitalter“, aber es ist vermessen und ignorant, aus dem Blickwinkel des 21. Jahrhunderts sich so abfällig über das 11./12. Jahrhundert zu äußern. In vielerlei Hinsicht kann man diese Menschen sogar zutiefst beneiden, weil sie Werte und Ideale hatten, sie hatten einen Weg und sie hatten ein hehres Ziel – nämlich das Ewige Leben in einem Reich, das nicht von dieser Welt ist …

Was jedoch von Historikern zu Recht nicht ganz so hoch stilisiert wird, ist der Ritter als solches. Er wuchs meist in kinderreichen Familien auf, in der das Erbe des Titels und der Burg – falls überhaupt vorhanden – nur dem Erstgeborenen vorbehalten blieb, sofern er nicht vorher enterbt wurde. Die restlichen männlichen Erben mussten zusehen, wie sie zu ehren und Titeln kamen, so dass im Endeffekt viele abenteuerliche Raufbolde hervortraten, die dem Rittertum des Mittelalters eigentlich keinen guten Ruf bescherten. Das Mittelalter erlebte ja erst im 19. Jahrhundert eine Art „Renaissance“, in der auch das Leben des Ritters hoch stilisiert und idealisiert wurde – warum auch nicht …? Die ritterlichen Tugenden, die für viele von uns heute zu hohen Idealen wurden, stammen mehr aus dem 19. Jahrhundert denn aus dem Mittelalter; das soll jedoch nicht bedeuten, dass es im Mittelalter keine „richtigen“ Ritter gegeben habe.

Dem Ruf des „Deus vult“ kamen sehr viele Ritter – vor allem aus Frankreich – nach, weil sie im Kreuzzug endlich die Möglichkeit sahen, zu Ruhm und Ehren zu kommen, das sie zu Hause nicht erlangen konnten, weil sie von der Geburtenrangfolge benachteiligt waren. Der historischen Wahrheit ihren Tribut zollend, müssen wir uns schon mit der Feststellung begnügen, dass viele dieser ins Heilige Land pilgernden Ritter eher peinlich waren, weil sie sich lieber aufs Plündern und Brandschatzen konzentrierten, als sich der Verteidigung der christlichen Stätten hinzugeben. Aber um die wollen wir uns heute nicht kümmern …

Uns interessieren die Ritter, die den Auftrag der Kirche und des Königs sehr ernst nahmen. Immerhin galt es, das Land, in dem Jesus von Nazareth geboren, in dem er gelehrt, geheilt und gelitten hat, und in dem er gestorben und glorreich auferstanden ist, von den Ungläubigen zu beschützen. Es galt, den Pilgerströmen, die ihr seelisches Heil nur darin sahen, größte Opfer auf sich zu nehmen, um das Heilige Land aufzusuchen, größtmöglichen Schutz anzubieten vor den Überfällen der Sarazenen. Diese Ritter sahen sich im Dienst der Kirche und sie verstanden sich unter dem Schutz der Kirche, denn – wie wir uns erinnern – der tägliche Ablauf des Mittelalter-Menschen kreiste vollkommen um den kirchliche Kalender …

Das nicht weniger dieser Ritter, die dem Ruf des „Deus vult“ folgten, im blutigen Kampf für eine heilige Sache und im Gebet und Unterwerfung vor den Geboten Gottes keinen Widerspruch sahen, liegt in der Natur der Sache, denn es GAB keinen Unterschied. Sie folgten dem Ruf Gottes, sie handelten im Auftrag Gottes und sie sahen sich unter dem besonderen Schutz Gottes. „Was ER Euch sagt, das tut!“ waren neben dem „FIAT“ („so geschehe es“) die verehrungswürdigsten Worte der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria, und was ER den Rittern sagte, wissen wir aus der Heiligen Schrift, die die meisten damals zwar nicht lesen konnten, die sie aber so gut wie auswendig konnten.

Es war kein großer Schritt dahin, sich in Gruppen zusammen zu finden, um der Kirche und dem König seine Kraft, seine Kampfeslust, aber auch sein Herz, seine Seele und sein Glauben anzubieten, um in der Gemeinschaft und unter dem gemeinsamen Zeichen (des Kreuzes) höhere Ziele zu erreichen. Bisher war man „nur“ dem König und der Heeresleitung hörig, nun galt es jedoch, diesen Dienst auf eine noch höhere Ebene zu heben, denn Jesus von Nazareth, der König der Könige, bestimmte eh ihren Tagesablauf. Das soll aber nicht bedeuten, dass sie zweierlei Königen dienten, dem König Jerusalems und dem König des Himmels, sondern im Dienst für den König von Jerusalem dienten sie ja Christus, weil ja jeder weltliche Herrscher ohnehin der (weltliche) Stellvertreter Christi war.

Durch Bernhard von Clairvaux, ein Ordensmann, der die Geschichte und die Geschicke Europas zu handhaben wusste wie kaum ein anderer siener Zeit, dessen Meinung und Rat Päpste, Kaiser und Könige einzuholen suchten, bekamen diese Rittergruppierungen ihre Struktur und ihren Ordenscharakter, vor allem auch dadurch, dass dieser heilge Mönch ihnen ihre Regel gab, die auch heute nichts von ihrer Wichtigkeit verloren hat.

Die Ritter waren nicht Mönche im eigentlichen Sinn, sie waren Laien in einem Orden und unterwarfen sich bedingungslos dem kirchlich-mönchischen Regeln, der Kontemplation in Form des Stundengebetes und der liturgischen Feiern, eingeschlossen. Mit dem Schwert in der Hand legten sie vor Gott und dem König ihre heiligen Gelübde ab, wissend, dass sie nun einem Kreis von Brüdern angehören, die alle ihre weltlichen Zeichen wie Wappen und Namen hintanstellen, um unter dem EINEN Zeichen des Baussant mit dem Gebet auf den Lippen den Kampf gegen den Unglauben aufzunehmen. Interessanterweise verzichtete jeder einzelne dieser Rittermönche – oder sollen wir sie Mönchsritter nennen? – auf alle weltlichen Ruhm, auf Ehre und Lob, denn sie verrichteten ihren Diest einzig zur Ehre des himmlichen Königs, ihr Motto ins Herz eingebrannt und noch im Sterben auf dem Schlachtfeld flüsternd: „… sed nomine TUO da gloriam!“

900 Jahre später tun wir Menschen uns schwer mit dieser Gedankenwelt des Mittelalters. Man muss bedenken, dass nicht nur das Heilige Land nach den Kreuzzügen verloren gegangen ist, der Tempelritter-Orden nach dem größten Justizskandal der Geschichte zerschlagen wurde, dass mit der Renaissance nicht mehr Gott, sondern der Mensch in den Mittelpunkt des Denkens und Handelns gerückt wurde. Mit der französichen Revolution rollte eine Welle des Säkularismus über Europa hinweg und unendlich viele Ordenshäuser und Klöster wurden aufgehoben. Die Geschichte zeigte mit dem Ende des 18. Jahrhunderts ihre hässlichste Fratze, denn Ordnung hat aufgehört zu sein. Aufstand gegen Gott, gegen die Kirche und gegen König waren von nun an bestimmend, denn der Mensch sah sich nun vollends als der Herrscher und derjenige, der sein Schicksal in die Hand zu nehmen vorbestimmt sei. Dass diese Ansicht einhergeht mit Chauvinismus, Intoleranz und Religionsfeindlichkeit, haben wir spätestens im 20. Jahrhundert erleben können.

„Sind Ritterorden ein Anachronismus?“ wurde auf der Internetplattform dieses Ritterordens bei Facebook gefragt. Nun gut, es kam bisher noch keine Antwort. Das muss uns aber nicht stören, da die Frage im Grunde genommen eine rhetorische war. Ritter, wie wir sie aus den netten Abenteuerromanen und von den Mittelaltermärkten und Burgfestspielen kennen, gibt es keine mehr. Eigentlich haben die auch im 21. Jahrhundert nichts mehr zu suchen. Aber es gibt in den verschiedenen Mönchsorden noch, die durch ihr Gebet und durch ihrer weltlichen Entrückung den Dialog stellvertretend für die in der Irre wandelnden Menschen aufrechterhalten.

… Und es gibt die Ritterorden, die mit möchischen Idealen und mönchischen Gelübden fest in der Gesellschaft stehen, um mit und unter dem Zeichen des Kreuzes den Kampf gegen Intoleranz, gegen Ungerechtigkeit und gegen die Gottlosigkeit in dieser Welt den Kampf aufzunehmen. Ritterlichkeit und Mönchstum sind kein Widerspruch – ganz im Gegenteil, sie ergänzen sich gegenseitig. Wem schadet es, sich intensiv mit den ritterlichen Tugenden und den damit versehenen hohen, vielleicht sogar höchsten (Menschheits-)Idealen auseinander zu setzen, um dem Ruf des himmlischen Königs zu folgen, der uns  nicht nur das göttliche Gebot der Gottes- und Nächstenliebe auferlegt, der uns auch beruft, SEIN Kreuz auf uns zu nehmen, um IHM im Nächsten zu dienen.