Archiv für Januar, 2012

Zur Investitur (15. Januar 2012)

Posted in Allgemeines, Arme Ritter Christi, Kontempltives, Ordensaktivitäten, Pressemitteilung, Templerorden on Januar 15, 2012 by Bruder Berthold

Liebe Schwestern und Brüder in Christo,

Leben heißt für den Menschen: wachsen und reifen, und immer wieder: lernen.

Man ist so lange ein lebendiger Mensch, als man bereit ist, es zu werden. Und der ist ein Christ, der weiß, dass er es erst werden muss, jeder mit der besonderen Gabe und Berufung, die er empfangen hat. Das Große wäre, jeden Tag und jede Stunde zu wissen: Hier ist mein Weg, hier meine Aufgabe, hier begegnet mir Christus. Last uns nun diesen Weg beschreiten den du Herr für uns vorgesehen hast.

„Herr, himmlischer Vater:  durch deine ewige Liebe, die dich neigt zu der menschlichen Natur: neige dich in mich!
Herr Jesus Christus: durch die Treue, in der du dein Werk vollbracht hast deinem Vater zu Lob und Ehren: wirke in mir deines Vaters Lob vollkommen!
Herr Jesus Christus: durch deiner Mutter Ehre und deines Todes Kraft: töte in mir alles Ungöttliche, und pflanze in mir dein göttliches Bild zu deinem Lob!“

Unten findet ihr die Worte, die ich heute vor dem feierlichen Investiturgottesdienst in der Kalvarienkapelle zu der anwesenden Gemeinde gesprochen habe. Ich möchte mich noch einmal recht herzlich bei Euch bedanken für den sehr erfolgreichen Generalkonvent.

Brüderliche Grüße,

+nnDnn+

Fr.‡ Berthold

Kalvarienkapelle, hoch über der Stadt Marsberg gelegen

Rede des Großmeisters Bruder ‡ Berthold
zur Eröffnung des Investiturgottesdiestes
Sonntag, 15. Januar 2012, Kalvarienkappelle Marsberg

Sehr verehrter Primas, lieber Dr. Schmidt,
meine lieben Schwestern, liebe Brüder,
meine lieben Freunde,

ich freue mich über alle Maßen, dass Ihr alle hier nach Marsberg gekommen seid, um gemeinsam – in geschwisterlicher Eintracht – einen großen Schritt in Richtung ZUKUNFT unseres Ordens zu beschreiten.

Der gestrige Generalkonvent hat mir persönlich – nach einer langen Zeit der Demütigung, der Enttäuschung und der grenzenlosen Unzufriedenheit – das Herz geöffnet. Der Generalkonvent hat mir wieder Vertrauen geschenkt in die Zukunft. Er hat mir Mut gegeben, einen endgültigen Schlussstrich unter dem Vergangenen zu ziehen, und all dem, was geschehen und was NICHT geschehen ist, ein für alle Mal ein Ende zu machen.

Der gestrige Generalkonvent hat mich in neue, junge, frische Gesichter schauen lassen, deren Augen beseelt sind von dem tiefen Willen, einer Gemeinschaft anzugehören, die mit Herz und Verstand, die mit Hand und Fuß, die mit Liebe und gegenseitigem Vertrauen in eine geschwisterliche Zukunft schreiten wollen. Eine Zukunft, die geprägt sein wird von ritterlicher Tradition, von Selbstbewusstsein und Hingabe an den Willen dessen, der uns gerufen hat, SEINE Ritter, die „Armen Ritter Christi“, zu werden.

Der gestrige Generalkonvent war für mich ein Musterbeispiel an Brüderlichkeit, an Respekt, an Offenheit und Toleranz; ich bin außerordentlich stolz auf jeden einzelnen von Euch, – ich bin stolz auf unseren Orden, der – wie ein Fels in der Brandung – allen Widrigkeiten getrotzt hat, um nur NOCH gestärkter und zuversichtlicher in die Zukunft zu schauen.

Der gestrige Generalkonvent, meine lieben Schwestern und Brüder, hat aus seinen Reihen drei Brüder auserwählt, die am heutigen Tag als Abschluss und Krönung des Generalkonventes die feierliche Investitur erhalten sollen. Diesen Auftrag des Generalkonventes nehme ich mit Demut, mit Stolz und mit übergroßer Freude wahr, weil diese Entscheidung auch mit meinen Wünschen übereinstimmt. Und auch wenn aufgrund terminlicher Engpässe Seine Eminenz, der hochwürdigste Herr Erzbischof Dr. Schmidt, sich außerstande sieht, mit uns einen ausführlicheren Gottesdienst zur Erbauung unserer Seelen zu zelebrieren, weil er weitere Termine am Nachmittag wahr nehmen muss, so danken wir Seiner Eminenz aus tiefstem Herzen, dass er gemeinsam mit uns diesen für einen Ritterorden bedeutenden Akt der feierlichen Investitur und der Ritterbenediktion vor nimmt. Es bedeutet uns SEHR viel, dass Sie, verehrter Primas, mit uns gemeinsam als geistliches Oberhaupt unseres Ordens die Tiefschläge der Vergangenheit überwinden helfen, um aus der Erfahrung zu lernen und mit besserem Wissen UND Gewissen in eine neue Zukunft starten – dafür danken wir Ihnen sehr.

Meine sehr verehrten, meine lieben Brüder, die Ihr nun wenige Minuten vor der feierlichen Investitur steht, ich möchte Euch fragen, ob Ihr den letzten Abend und die letzte Nacht der Tradition gemäß in Gebet, in Betrachtung und in reiflicher Überlegung verbracht habt? Habt Ihr Euch mit Eurem Kopf und mit Eurem Herzen entschieden, vom jetzigen Zeitpunkt aus bis zu Eurem Lebensende ein „Armer Ritter Christi“ zu sein? Habt Ihr Euch über die Konsequenzen Gedanken gemacht? Ihr seid, wenn ich jedem einzelnen von Euch den feierlichen Ritterschlag erteilt haben werde, vollständige Entscheidungsträger, Beauftragte des Ordens, Botschafter unserer Traditionen, unserer Prinzipien und Botschafter unserer ritterlichen Tugenden. Ihr werdet nun Botschafter der Tempelritter – der Tempelritter des 21. Jahrhunderts und vor allem derer, die sich im Jahre 1118 in Jerusalem zusammengefunden haben und vor dem König Balduin auf die Knie gegangen sind, um von nun an als eine EINHEIT hinauszugehen mit dem leuchtend roten, für alle Welt sichtbaren Kreuz auf der Brust.

Das Kreuz ist – so wie Jesus selbst vorausgesagt hat – zum Ärgernis für die Welt geworden. Das Kreuz, das das Symbol der Freiheit und der Erlösung ist, ist zum Zeichen der Demütigung, der Schmach und der Verfolgung geworden – und doch ist es das EINENDE Zeichen aller christlicher Ritterbünde auf der Welt. Das Kreuz ist das Symbol des Todes Christi – und nur DURCH sein schmachvolles Leiden und DURCH sein unsagbar schmerzlichen Tod hat er uns losgekauft von allen Ketten der Gefangenschaft.

Und auch wenn ein Beitritt in einen Ritterorden für viele Zeitgenossen wie eine Art Gefangenschaft scheint, weil sich die Ordensangehörigen in Demut und Bescheidenheit dem Willen des Vorgesetzten in unbedingtem Gehorsam unterwerfen lernen müssen, so ist es alles andere als eine Gefangenschaft oder ein BOOTCAMP, wo der Wille des einzelnen Individuums gebrochen werden soll. Die Mitgliedschaft in einem Ritterorden ist freiwillig – aber mit dem Schritt zum Ritterschlag eine Entscheidung, zu der man bis zu seinem Lebensende STEHEN muss, eine Entscheidung, die man mit seinem Gewissen bis zu seinem Lebensende verantworten muss.

Dass dieses Gewissen aber ein reines und das Herz ein lauteres sein soll, symbolisieren die Kerze und die weißen Handschuhe, die Ihr nachher erhalten werdet. Aber auch der Mantel, den Ihr Euch umhängen werdet, dient nicht nur der Wärme und als gemeinsames Erkennungszeichen aller Tempelritter auf dem Erdenrund … der weiße Mantel bedeutet die Reinheit des Geistes und des Gewissens, die uns gestattet, die unsagbare Bürde mit dem nun beginnenden Leben als Ritter, auf unsere Schultern zu laden. Und es wird sehr viel werden, was Ihr Euch mit dem Mantel auf die Schultern laden werdet, das kann ich Euch versprechen: Sei es das Unverständnis der Umwelt, die Intoleranz der dem Relativismus verfallenen Zeitgenossen, den Spott und die Häme derjenigen, die Tradition als einem Schritt in die Vergangenheit betrachten, obwohl die Tradition – wie wir alle wissen – das Fundament ist, auf dem eine Zukunft in geordneten Verhältnissen gewährleistet ist. Die Tradition ist das bedingungslose Bekenntnis zu Werten, die unseren Vorvätern wichtig waren. Sie waren so wichtig, dass sie es wert waren, bis in unsere Zeit hinein getragen zu werden, auf dass WIR – unseren Vorvätern folgend – sie an die nächsten Generationen weiter geben sollen.

Es sind vor allem Werte, die sich aus den ritterlichen Prinzipien und Tugenden heraus kristallisieren – die wir alle SEHR WOHL kennen und über alles schätzen. Es sind Werte, die uns im Hier und Heute veranlassen, das Kreuz auf die Schulter und das Schwert in die Hand zu nehmen, um gemeinsam aufzustehen, gegen die Ungerechtigkeit, die Unwahrheit und die immer unsozialer werdende Gesellschaft zu kämpfen.

Und gerade DIESES Erkennen, dass irgend etwas „FAUL ist im Staate Dänemark“, dass die Verkündigung der christlichen Botschaft immer mehr eingedämmt wird um Platz zu schaffen für eine Kultur des Todes, hat uns zusammen kommen lassen, um eines Geistes und eines Sinnes Partei zu ergreifen für Christus, der Kranke geheilt, der Weinende getröstet, der Hungernde gespeist … und der sogar Tote wieder auferweckt hat.

UNS Armen Rittern Christi wird es mit größter Wahrscheinlichkeit versagt bleiben, WUNDER zu wirken, aber seinem Beispiel zu folgen hat mit Wundern nichts zu tun, denn es ist KEIN Wunder, einem Hungernden ein Stück Brot zu geben, Es ist KEIN Wunder, einem Ratlosen Rat zu geben. Es hat mit WUNDER nichts zu tun, wenn ich einem Trauernden Trost und Mitgefühl schenke. Es hat auch NICHTS mit Wunder zu tun, wenn ich ALLES versuche dran zu setzen, jemanden davon zu überzeugen, dass er oder sie das werdende Leben NICHT dem Tode Preis gibt.

„Du sollst Gott über alles lieben – und Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst“ – sind Worte, die zu Jesu Zeiten vielleicht Staunen und Verwunderung ausgelöst haben – UNS sollte es nach fast 2000 Jahren nur EINES sein: Eine Selbstverständlichkeit! Denn wenn ich dem Menschen versuche zu helfen, OHNE von der Liebe zu Gott getrieben zu werden, dann kann die Nächstenliebe keine wahre sein.

Meine Lieben Brüder: Dass IHR heute die feierliche Investitur erhaltet, ist ALLES andere als eine Selbstverständlichkeit: es ist eine Gnade. Wer auch IMMER danach trachtet, lieber gestern als morgen zum Ritter geschlagen oder zur Dame erhoben zu werden, ist unserer nicht würdig – das lasst mich bitte mit aller Deutlichkeit sagen.

Wer auch immer nach Höherem, nach Ruhm und Ansehen trachtet, der zeigt, dass er oder sie meilenweit von der Botschaft der heiligen Schrift entfernt ist. Wer auch immer danach trachtet, möglichst viele Urkunden und Auszeichnungen zu erhalten, wer Titel und Ehrenbekundungen sammelt wie andere Briefmarken, dem halten wir den Spiegel der Selbstsucht, der Hoffart und der Gottesferne vor Augen, auf dass ER oder SIE erkenne, dass Titel, Auszeichnungen und Lob nur DANN Freude bereiten, wenn sie mit reinem Gewissen und mit lauterem Herzen, wenn sie mit Ehre und mit Tugendhaftigkeit, wenn sie mit Aufrichtigkeit und tadellosen Ansinnen erworben wurden.

Ihr, meine lieben Brüder, habt vom Hohen Generalkonvent die Erlaubnis erhalten, heute die feierliche Investitur zu erhalten – dazu gratuliere und beglückwünsche ich Euch aufs Herzlichste. Und wenn wir heute die feierliche Zeremonie beendet haben werden, dann gebe ich Euch EINEN wichtigen Rat mit auf den Weg: Hütet Euch davor, den Ritterschlag als etwas zu betrachten, was Euch von Rechts wegen, oder weil Ihr schon SO vieles geleistet habt, zu steht. NEIN!!!

Es verhält sich gerade so, dass IHR mit dem heutigen Tag Eure Leistungen unter Beweis stellen müsst, denn nun werdet Ihr zur Verantwortung gezogen, in SEINE Nachfolge zu treten. Ihr müsst von nun an ein leuchtendes Vorbild sein für Eure Brüder und Schwestern, die noch Knappe oder Novizen sind. Ihr müsst ein Beispiel und ein Segen sein, für die, die Eurer Hilfe, Eurer Anteilnahme, Eures Mutes, Eurer Standhaftigkeit und Eurer unverbrüchlichen Treue am meisten bedürfen.

Dazu werdet Ihr von mir, Eurem Ordensoberen, den Ritterschlag erhalten, und Seine Eminenz wird Euch seinen Segen erteilen, auf dass der Weg, den Ihr von nun an beschreiten werdet, ein Weg sein wird, der zwar steil, steinig und SEHR kurvenreich ist, der aber mit tiefem Gottvertrauen und mit den ritterlichen Tugenden in seinem Herzen eingebrannt sehr leicht beschritten werden kann, denn der Ritterschlag soll Euch – verbunden mit dem Segen des Primas – Stärke und Halt, Mut und Kraft, Tapferkeit und Feuer des Herzens schenken.

So bitte ich nun die Novizen und Knappen zum Altar des Herrn. (… die Gemeinde zieht feierlich in die Kalvarienkapelle ein …)

+ nnDnn+