“Der Herr ist mein Hirte” (Psalm 23)

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Das Wort zum Sonntag
15. Januar 2012

Meine lieben Schwestern und Brüder in Christo,

Ihr werdet mir bestimmt alle nachsehen, dass ich Euch an diesem Wochenende ein „Wort zum Sonntag“ schuldig bleiben muss, aber der Orden hat sich hier in Marsberg zu seinem bereits 3. Generalkonvent zusammen gefunden, und wir hatten alle Hände voll zu tun.

Am heutigen Nachmittag sind die letzten der Schwestern und Brüder wieder abgereist. Sie kamen aus der Schweiz, aus Bayern, aus Thüringen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Berlin. Was zurück bleibt sind unzählige Impressionen, tiefschneidende Eindrücke, viele Bilder, die einem kaum gestatten, einen wirklich klaren Gedanken zu fassen. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich kein Mann großer Worte und Gesten bin. Ich mag es lieber kurz und knapp, ohne Blumen und Firlefanz. Ich habe nicht studiert und habe von daher auch keine akademischen Titel vorzuweisen. Das alles brauche ich auch nicht, um Euch  allen eines hinterher zu rufen, das von tiefstem Herzen kommt: DANKE.

Der 3. Generalkonvent wird verarbeitet werden müssen, die 4 Brüder, die die feierliche Investitur erhalten haben, werden sich wahrscheinlich auch noch an diesen großen Schritt gewöhnen müssen, … und die unzähligen Bilder, die geschossen wurden, müssen erst einmal durchgesehen und ausgetauscht werden, so dass jeder der Ordensangehörigen und –Freunde in wenigen Tagen auch einen kleinen Eindruck vom diesem erfolgreichen, zukunftsweisenden und schönen Generalkonvent bekommen kann.

Doch dass wir das „Wort zum Sonntag“ haben ausfallen lassen, beschäftigt mich sehr, denn das „Wort zum Sonntag“ haben wir in sehr eindrucksvoller Weise heute Morgen auf dem Investiturgottesdienst in der kleinen, hoch über Marsberg gelegenen Kalvarienkapelle erhalten, und zwar von einem gerade erst zum Ritter geschlagenen Ordensbruder, Bruder Frank, der die Feierlichkeit und die Festlichkeit des Augenblicks mit seiner Betrachtung zum Psalm 23 krönte.

„Der Herr ist mein Hirte“ – die ersten Worte reichen vollkommen aus, in unserem Herzen eine Ergriffenheit und eine Erhabenheit zu spüren. „Der Herr ist mein Hirte“, als „Psalm vom guten Hirten bekannt“, wird sehr gerne in Zeiten der Trostlosigkeit gebetet, um wieder Trost zu finden. „Der Herr ist mein Hirte“ ist aber auch für mich der Psalm der Zuversicht und des unbedingten Vertrauens auf die unermessliche Güte, die Liebe und die große Gnadenfülle des Dreifaltig Einen. Denn auch wenn mich ALLE im Stich lassen, auch wenn mich ALLE verraten und verkaufen, auch wenn ich hungern und dürsten muss nach der Wahrheit, nach der Gerechtigkeit, nach dem Halt und dem Fels … in IHM finde ich alles.

Wenn ich mich recht erinnere, war der Psalm 23 der allererste Psalm, den ich als Kind kennen lernen durfte, und in großen Teilen, in den WICHTIGSTEN Teilen, kann ich ihn auch auswendig. „Der Herr ist mein Hirte“ und „auf DICH vertraue ich“ passen meiner Meinung nach unbedingt zusammen, denn der gemeinsame Nenner ist die „Barmherzigkeit“, die Güte und die Treue Gottes zu uns, auf die wir vertrauen dürfen – auf die wir vertrauen MÜSSEN.

Ich erlaube mir, den Psalm 23 den neuen, heute erst zum Ritter geschlagenen Rittern als Ritter-Devise mit auf den Weg zu geben. Er soll Bruder Frank, Bruder Marcel, Bruder Michael und Bruder Thomas vom heutigen Tag an Euer Wegbegleiter sein. Legt diesen Psalm als Zettelchen in Eure Brieftasche oder hängt es an Euer Bett. Klebt es ans Armaturenbrett Eures Autos oder an Euer Schreibtisch – auf dass es nicht nur irgend ein Psalm, irgend ein Gebet, sondern auf dass es Eure innerste Überzeugung werde, dass NUR in IHM Zuversicht, Halt und Treue liegen.

Ein Ritter, der die ritterlichen Tugenden wie Mut, Tapferkeit, Edelmut, Großzügigkeit und Standhaftigkeit zu üben sucht, weiß dann ganz genau, wo er die Quelle aller dieser Tugenden findet: in DEM, der bei mir ist und der mich trägt, selbst wenn ich durch das Tal der Finsternis und des Todes wandle. Ehre sei IHM. Amen.

Einen schönen Sonntagabend und einen guten Wochenstart wünsche ich Euch,

mit brüderlichem Gruß,

+ nnDnn +

Fr. ‡ Berthold

1 Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
2 Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
3 Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
5 Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

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